Das Erstegespräch
Wenn sich heutzutage jemand für Freimaurerei interessiert, aber keinen Freimaurer in der Verwandtschaft oder Bekanntschaft hat, den er fragen könnte, dann fragt er Google.
Die Suchmaschine sucht ihm daraufhin etwas heraus, und der Interessent klickt sich durch, meist beim ersten Treffer beginnend, bis ihm ein Angebot gefällt, beispielsweise dieses hier. (Ein ganz wichtiges Indiz, auf das Sie achten sollten, ist dass das Angebot „lebt“ und nicht vor X Jahren ins Netz gestellt wurde und fertig.)
Wenn dann das Interesse geweckt ist, mehr zu erfahren, was dann? Naja, also man könnte natürlich noch weiter googeln. Wo die Freimaurer sich treffen, wie sie für einen Spielplatz sammeln, wie das sogenannte „Ritual“ abläuft usw. Realistischer ist es aber, im übertragenen Sinne, die Prospekte hinzulegen und eine Probefahrt zu machen.
So eine Probefahrt nennt man „bei Freimaurers“ ein Erstgespräch.
Die Initiative hat man selber. Man schickt eine Kontaktanfrage an die Loge, für die man sich interessiert. Das braucht nicht viele Worte („Bitte laden Sie mich zu einem Erstgespräch ein. Viele Grüße.“)
Bei uns finden Erstgespräche -im Gegensatz zu den Gästeabenden, die feste Termine haben- immer ziemlich spontan statt, also das geht schnell. Gerne zum Wochenende hin, da wir eine Freitagsloge sind.
Sie kriegen also eine Antwort-E-Mail und man macht einen Termin aus, und natürlich einen Treffpunkt.
Letzterer ist fast immer ein öffentlicher Ort, z.B. ein Restaurant, wo sich die Brüder regelmäßig treffen, und in einer angenehmen Atmosphäre eine erste Kontaktaufnahme möglich ist.
Ein Erstgespräch findet immer im kleinen Kreis statt, d. h. unter vier bis acht Augen. Von unserer Seite sind ein bis zwei Brüder dabei, meist ein erfahrener älterer Bruder und ein jüngerer. Und Sie bringen gerne Ihre Partnerin (oder Partner) mit, oder einen Verwandten oder Kollegen – oder nur sich selbst, ganz wie Sie möchten.
Ja, und dann unterhält man sich. Das geht sehr viel lockerer und offener als Sie denken. Denn schauen Sie, das sind ja nicht nur Freimaurer, die da mit Ihnen am Tisch sitzen, sondern es sind ja z. B. ein Klempner und ein Arzt, oder ein Controller und ein Landwirt, oder wie auch immer – einfach ganz normale, alltägliche Menschen, die sich irgendwann entschieden haben, an sich zu arbeiten und für sich und für andere Gutes zu tun.
Irgendwann ist leider auch das schönste Gespräch vorbei, und jeder geht wieder seiner Wege. Ihr Getränk zahlen wir. Ob Sie zum nächsten Gästeabend eingeladen werden möchten oder nicht, haben Sie uns dann gesagt und wir veranlassen ggfs. alles Weitere.
Hürde 1
Sie haben also ein Erstgespräch bereits geführt und können sich grundsätzlich vorstellen, eine Mitgliedschaft in dieser altehrwürdigen Institution anzustreben.
Unsere Gäste fühlen sich den Gedanken der Toleranz und Humanität verpflichtet. Sie haben den Wunsch, sich in der Gemeinschaft von Freunden den tieferen Fragen des Lebens und des Menschseins zu stellen, sich selbstkritisch zu betrachten und sich gegebenenfalls selbst zu verändern.
Prima, dann haben Sie sozusagen „Hürde 1“ erfolgreich genommen.
So können Sie uns kennen lernen
Bei Gästeabenden handelt es sich im Unterschied zu den öffentlichen Veranstaltungen der Loge um geschlossene Veranstaltungen, die wir jedoch gerne unseren Gästen öffnen.
Ihnen gefallen die Menschen, die so unglaublich freundlich sind im Umgang untereinander und mit Gästen, und die so offen über die ach so „geheimnisvolle“ Bruderschaft mit Ihnen geplaudert haben. Umgekehrt gefallen Sie auch den Brüdern. Man möchte sich gerne gegenseitig näher kennenlernen. Top!
Auf zu Hürde 2
Zum Gästeabend der Loge werden Sie schriftlich eingeladen. Jede Loge handhabt den Ablauf von Ort und Zeit anders. Die Brüder von der Astraea zu den drei Ulmen, werden Sie wieder ins Logenhaus einladen um an Gästeabenden teil zu nehmen.
Zum Gästeabend erscheinen mehrere Brüder der Loge (nicht alle, das kriegt man meistens nicht hin) sowie mehrere Interessenten, so wie Sie. Diesmal allerdings kommen alle, Freimaurer wie Gäste, ohne Begleitung.
Sie erleben nun „live“ einen typischen freimaurerischen Gesprächsabend, mit dem einzigen Unterschied, dass halt auch Nicht-Freimaurer mit am Tisch sitzen und wir daher nicht über Interna reden. Aber es ist alles echt, nichts ist für die Gäste gestellt oder eingeübt oder arrangiert, nicht einmal die Brezeln und Getränke auf dem Tisch.
Ein Bruder wird ein Thema vorbereitet haben, das nicht unbedingt etwas mit Freimaurerei zu tun haben muss. Wir hatten schon mal beispielsweise „Künstliche Intelligenz“, „Ägyptologie“ und sogar „Glockengießen“ … je nach Expertise des jeweils vortragenden Bruders. Darüber wird er ein kurzes Referat von ca. 10-15 Minuten halten. Dann gibt er das Thema zur Diskussion frei und moderiert die Runde.
Und dann wird halt ca. eine Stunde lang diskutiert (manchmal werden auch zwei daraus, wenn alle einverstanden sind). Niemand muss sich zu Wort melden, der das nicht möchte.
Der Gästeabend zielt auf Kommunikation und Interaktion, auf Verständigung, Kritik und Begegnung. Die Loge diskutiert, d.h. sie arbeitet! Gäste erfahren dabei nicht nur die einzelnen Persönlichkeiten, sondern auch den Umgangsstil, die Atmosphäre, die Qualität der Bezugnahme und das Gesprächsniveau einer Loge. Umgekehrt lernt der einzelne Freimaurer die Gäste kennen. Aus solchen Begegnungen kann Zugehörigkeit und Freundschaft erwachsen.
Eines ist auf jeden Fall selbstverständlich: Kein Wort, das am Tisch gesprochen wird, dringt nach Außen. Vertraulichkeit ist die Stärke der Freimaurerei seit Jahrhunderten.
Die Zeit verfliegt regelrecht. Irgendwann beendet der Moderator die Diskussion. Regelmäßig sind alle erstaunt, wie interessant das Thema doch war. Meistens aber ist es nicht das Thema, das die Gäste besonders beeindruckt hat. Sondern es ist die „gesittete“ Art der Diskussion. Den Anderen ausreden zu lassen, das Eingehen auf die Argumente des Anderen, das ist bei uns selbstverständlich. Und dass man frei sprechen kann, wirklich frei, keinem Zeitgeist unterworfen. Für viele Interessenten ist das eine ganz neue, beeindruckende Erfahrung.
Wem die Runde gefallen hat, der bekundet sein Interesse, zum nächsten Gästeabend wieder eingeladen zu werden.
Und wie geht es dann weiter? Wir sagen aus Erfahrung, bei drei Gästeabenden sollte man mindestens dabei gewesen sein, bevor man einen Aufnahmeantrag stellen kann. Wir sprechen vom Übergang vom Interessenten zum Suchenden. Allerdings, es braucht noch etwas Geduld, es geht immerhin um Beitritt zu einer der ältesten, ehrwürdigsten und am weitesten verbreiteten Institutionen der Welt.
